Linkswinkel-Kreuz des Geistes
Wo Menschen gemeinsam an etwas arbeiten, entsteht zwischen ihnen oft eine Stimmung, die keiner allein mitgebracht hat: aus Beharrlichkeit, Begeisterung, innerer Fülle und Vertrautheit. Ihr gilt dieses Kreuz. Es fragt nach dem, was erst sichtbar wird, wenn mehrere beteiligt sind: Was bringt ein Paar, eine Gruppe oder ein Team dazu, an einer Sache dranzubleiben, und was hält dieses Dranbleiben, wenn die Laune schwankt? Der Geist, um den es hier geht, wächst im Miteinander.
Lebensthema
„Geist“ meint hier keine Vorstellung von Übersinnlichem, sondern den gemeinsamen Geist einer Runde: das Gefühl, dass in einer Verbindung etwas lebt, das größer ist als die Summe der Einzelnen. Vier tragen dieses Thema zusammen. Sie fragen nach dem Punkt, auf den sich Energie bündeln lässt, nach dem Funken, der Lernen in Gang setzt, nach dem Halt, der Stimmungswellen übersteht, und nach der Schwelle, an der Nähe möglich wird.
Dieser Geist braucht mehrere Menschen, um überhaupt da zu sein, und darin liegt der Linkswinkel dieses Kreuzes. In einer Runde, die zusammenpasst, kannst du Stimmung und Richtung mitprägen, und eine solche Runde kann in dir Begeisterung freilegen, von der du nichts wusstest. Dein Thema wird in Begegnungen sichtbar, in denen du zugleich gibst und empfängst, und es formt sich mit jeder neuen Verbindung ein wenig anders.
Die vier Tore
Beharrlichkeit kommt von Tor 9 (Fokus) im : Es bleibt bei Einzelheiten, bis sie sitzen. Tor 16 (Begeisterung) im macht daraus etwas Hörbares und Sichtbares, denn es will üben und zeigen. Tor 55 (Fülle) im fragt, was dich innerlich trägt, wenn Stimmungen kippen. Tor 59 (Sexualität), wie Tor 9 im Sakralzentrum, öffnet die Schutzschicht zwischen zwei Menschen und macht Gemeinsames überhaupt erst möglich.
Der Geist, um den es hier geht, bekommt von jedem Tor etwas anderes: Ausdauer und Eifer geben ihm Form, die Fülle gibt ihm Tiefe, die Nähe einen Ort, an dem er sich zeigen kann. Fehlt einem dieser Teile das Gegenüber, bleibt er eine Möglichkeit, die auf ihre Gelegenheit wartet.
Im Alltag
Auf dem Bolzplatz hinter eurem Block übst du als Kind einen Balltrick so lange, bis ein paar Nachbarskinder stehen bleiben und mitmachen. Mit Mitte dreißig bepflanzt du die Baumscheibe vor deinem Haus, und im Lauf der Monate gießen Menschen mit, mit denen du vorher kaum gesprochen hast. Als dich später eine Flaute erwischt, klopft jemand aus dem Haus an deine Tür, und ihr steht eine Stunde lang im Hausflur und redet.
In der Bäckerei, in der du lernst, formst du im ersten Lehrjahr Brötchen, bis der Griff sitzt, und eine Kollegin zeigt dir nebenbei einen Handgriff, den du selbst nie gefunden hättest. Sinkt im Team nach einer harten Saison die Stimmung, meldet sich bei dir oft als Erstes die Frage, was euch eigentlich noch trägt. Später führst du eine neue Kollegin ein, und nach ein paar Monaten springt ihr füreinander ein, ohne dass jemand fragen muss.