Linkswinkel-Kreuz des Individualismus
Eigen zu sein heißt, dass andere es merken: Du hältst an etwas fest, stellst eine Frage, die sitzt, oder machst einen Schritt, den niemand erwartet, und an den Reaktionen zeigt sich, was dir wirklich ernst ist. Der Individualismus dieses Kreuzes lebt vom Reiben an einem Gegenüber, vom Ausprobieren der eigenen Art und vom leisen Gespür dafür, was gerade stimmt. Wie eigen du bist, erfährst du darum im Gespräch, im Streit und in der Zusammenarbeit.
Lebensthema
Das Linkswinkel-Kreuz rückt deine Eigenart in den Kontakt: Wer du bist, erfährst du auch daran, wie andere auf dich reagieren und wie du auf sie reagierst. Am Gegenüber merkst du, wo du nachgibst und wo du bleibst.
Die vier spannen dafür ein Feld auf. Zwei sitzen im , einem , das drängt, etwas in Bewegung zu bringen. Eines liegt im , das Willenskraft liefert. Eines gehört zum , das mit ein schnelles, stilles Urteil über das Stimmige fällt. Zusammen stellen sie die Frage, was dir so wichtig ist, dass du es gegen Widerstand vertrittst, und wie du das herausfindest, ohne andere nur zu überrollen. Die eigene Art muss dabei nicht geglättet werden; sie darf sich im Austausch erproben.
Die vier Tore
Tor 38 (Kämpfer) hält an dem fest, was dir Sinn gibt, auch gegen Widerstand. Tor 39 (Provokation) setzt den Reiz, der Festgefahrenes lockert und zeigt, wie jemand reagiert. Beide sitzen im Wurzelzentrum: Der Wille zum Durchhalten und der Impuls zum Anstoßen speisen sich aus demselben Druck.
Mit Tor 51 (Schock) im Herzzentrum tust du manchmal Dinge, mit denen niemand gerechnet hat, nicht einmal du selbst. Tor 57 (Intuition) im Milzzentrum nimmt den Augenblick wahr, in dem etwas passt oder nicht.
Oft beginnt es beim Gespür: Es meldet, wo etwas hakt, der Schock gibt den Anlass zum ersten Schritt, die Provokation prüft, was darunter liegt, und der Kämpfer entscheidet, ob es den langen Atem wert ist.
Im Alltag
Bei der Stadtteilzeitung, für die du mit neunzehn ehrenamtlich schreibst, widersetzt du dich, als die Redaktion deinen Text über eine geplante Straßensperrung abschwächen will. In der Mitgliederversammlung des Kleingartenvereins stellst du später eine Frage, die den Saal kurz still werden lässt, und siehst, wer sich meldet. Mit Anfang vierzig schreibst du an der Satzung mit, weil du an einem Punkt nicht lockerlässt.
Im Hinterhof deines Studentenhauses legst du mit zwanzig bei einer Hofparty eine Platte auf, mit der niemand rechnet, und beobachtest, wer die Stirn runzelt und wer aufsteht. Mit Mitte dreißig bittest du die Gäste deines Sommerbrunchs, etwas Selbstgemachtes mitzubringen, obwohl einige lieber Brötchen kaufen würden. An den Gesichtern kannst du ablesen, wer sich darauf einlässt und wer dir stillschweigend widerspricht.