Linkswinkel-Kreuz der Inkarnation
Manches nimmt erst Gestalt an, wenn andere dabei sind. Du bringst eine Richtung mit, hörst zu, wenn jemand von sich erzählt, kehrst zu alten Gedanken zurück und spürst, was sich früher als verlässlich gezeigt hat. Inkarnation heißt wörtlich Fleischwerden: Aus Eindrücken und Erfahrungen wird etwas, das man im Zusammenleben sehen und greifen kann. Wer dir nahekommt, wird so zu dem Ort, an dem dein Weg Form gewinnt.
Lebensthema
Hier meint der Name, dass Eindrücke, Gedanken und Erfahrungen eine Gestalt annehmen, die andere sehen und mit dir teilen können. Die vier liefern dafür die Zutaten: einen Blick nach vorn, ein offenes Ohr, ein Denken, das in Schleifen zurückkehrt, und ein Gedächtnis für Bewährtes. Gestalt bekommt das Ganze erst zwischen Menschen; darin zeigt sich der Linkswinkel. Sitzt dir jemand gegenüber, erzählt etwas oder braucht Hilfe, ordnet sich vieles zu einem Satz, einer Richtung, einem Vorschlag. Oft wirkt das in beide Richtungen: Dein Gegenüber nimmt etwas mit, und du gehst mit einem Gedanken nach Hause, der vorher nicht da war. Welche Richtung zu welchem Menschen und welchem Moment passt, entscheidet sich so von Begegnung zu Begegnung.
Die vier Tore
Zwei Tore dieses Kreuzes teilen sich das . Tor 7 (Rolle des Selbst) bringt die Frage nach Richtung und Platz mit: Wohin geht eine Gruppe, und wer übernimmt welchen Teil? Tor 13 (Zuhörer) bewahrt auf, was Menschen dir von sich erzählen. Richtung ohne gehörte Erfahrung bleibt dünn, und Erfahrung ohne Richtung bleibt ungenutzt; hier gehören beide zusammen.
Tor 24 (Rückkehr) im wendet das Gesammelte hin und her, oft über lange Zeit, bis sich ein Muster abzeichnet. Tor 44 (Wachsamkeit) im spürt dagegen im Augenblick, wo etwas Neues einem Alten gleicht. Das eine denkt in Schleifen, das andere erkennt sofort; gemeinsam schöpfen sie aus vielen Lebensgeschichten statt aus einer. Vieles, was du bei diesem Kreuz weißt, hast du zuerst von anderen gehört und in dir weiterverarbeitet.
Im Alltag
In der Jugendherberge, in der deine Klasse übernachtet, sortierst du als Kind mit den anderen die Betten und schlägst vor, wer mit wem das Zimmer teilt. Am langen Küchentisch eines Hostels erzählen dir später zwei Reisende, warum sie ihre Pläne verworfen haben; du nimmst das mit und buchst anders als geplant. Bei der Wahl einer Unterkunft am Meer kommt dir Jahre danach ein Prospekt bekannt vor, und du fragst nach, was dahintersteckt.
Im Flur der elterlichen Wohnung stellst du als Kind vor jedem Ausflug die Schuhe der Familie bereit und sagst, wer was trägt. In deiner eigenen Wohnung kehrt nach einigen Wochen ein Gedanke zur Aufteilung der Zimmer zurück, den du zuerst verworfen hattest, und er sieht jetzt anders aus. Im Mietshaus sprichst du irgendwann mit den Nachbarn über die Zeiten für die Waschküche und hörst dir zuerst an, was jedem daran wichtig ist.