Linkswinkel-Kreuz der Konfrontation
Wie viel Nähe du zulässt, was du für etwas verlangst, wie du durch plötzlichen Aufruhr kommst und wer vom Gemeinsamen wie viel bekommt: Diese Fragen klären sich bei dir selten im stillen Nachdenken, sondern im Gegenüber. Jede von ihnen braucht einen anderen Menschen, mit dem sich etwas aushandeln lässt. Konfrontation ist dabei nicht gleich Streit. Gemeint ist das Sich-Gegenüberstehen, in dem sichtbar wird, was zwischen zwei Menschen trägt und was noch geklärt werden muss. Der Kern dieses Kreuzes ist die Begegnung selbst.
Lebensthema
Konfrontation heißt hier: Du stehst jemandem gegenüber, und dadurch wird etwas deutlich, das vorher unklar war. Der Linkswinkel legt das Gewicht auf genau diesen Moment, in dem zwei Sichtweisen aufeinandertreffen. Es braucht Menschen, an denen du dich reibst, mit denen du verhandelst und von denen du dir etwas zeigen lässt.
Die Situationen dazu sind über die Jahre sehr verschieden. Mal wird eine Grenze verhandelt, mal nimmt jemand ein Angebot an oder lehnt es ab, mal überrollt dich eine Lage, und mal geht es darum, wie man Vorhandenes gerecht teilt. Gemeinsam ist ihnen, dass ein ehrliches Wort oft mehr bewegen kann als langes Warten.
Die vier Tore
6 (Konflikt) sitzt im und ist die Stelle, an der Nähe geprüft wird: Wie viel Unbequemes hält eine Verbindung aus, bevor sie enger werden kann? Tor 26 (Trickster) im versteht es, ein Anliegen so vorzutragen, dass andere zustimmen; es stellt zugleich die Frage, wofür du diese Überzeugungskraft einsetzt. Tor 36 (Krise) liegt ebenfalls im Solarplexus-Zentrum und stößt dich in Lagen, die du noch nie erlebt hast. Tor 45 (Sammler) im bringt Gemeinsames zur Sprache: Wem gehört was, und wer entscheidet darüber?
Tor 6 öffnet oder begrenzt die Nähe, Tor 36 bringt Unruhe und Bewegung hinein, Tor 26 macht aus einem Gespräch eine Absprache, und Tor 45 gibt ihr eine Stimme, die für eine Gruppe gilt. Weil zwei der vier Tore im Solarplexus-Zentrum liegen, kann eine Antwort, die gestern klar war, heute noch einmal Zeit brauchen.
Im Alltag
Beim Volleyballtraining in der Schulhalle widersprichst du mit zwölf zum ersten Mal laut, als die Aufstellung für das Spiel am Wochenende verkündet wird. Vor einem Turnier fällt Jahre später die Trainerin aus, und du merkst, wie das Team ohne Plan unruhig wird und du dich mittendrin wiederfindest. Beim Saisonstart zählst du irgendwann die Bälle und Trikots durch und sagst offen, wer wie viele bekommen soll. Jedes Mal kann sich ein Stück Nähe in der Mannschaft verschieben.
Auf dem Waldweg beim Pilzesammeln mit deinem Onkel sagst du als Kind, dass du lieber in die andere Richtung gehen willst, und bleibst dabei. Mit Mitte zwanzig überrascht euch auf der Hüttentour ein Gewitter, und du lässt dich vom Durcheinander erfassen, statt es zu ordnen. Mit Anfang vierzig verteilst du auf einer Wanderung mit Freunden den Proviant und sprichst aus, was fehlt. So können dieselben Fragen Jahr für Jahr in anderem Gelände wiederkehren.