Juxtapositions-Kreuz der Risiken
Ein Wagnis zieht dich an, sobald du darin einen Sinn spürst, und es lässt dich kalt, wenn es nur Lärm um nichts wäre. Wofür du dich aus dem Gewohnten herauswagst und wofür nicht, ist die Frage dieses Kreuzes. Annäherung und Fürsorge bringen dich mit Menschen zusammen, für die ein Einsatz etwas bedeuten könnte; im Rückzug ordnest du, was du dabei gewonnen oder verloren hast. Dein Maß für das Risiko bleibt über die Jahre beständig: Ein Spiel lohnt sich für dich, wenn es Sinn hat, und du gehst es so weit mit, wie dieser Sinn reicht.
Lebensthema
„Risiko“ steht in diesem Kreuz für die Frage, was dir einen Einsatz wert ist. Eine Reise ins Ungewisse kann so ein Einsatz sein, ebenso eine Zusage, die Nähe zu einem Menschen oder ein Satz, den du aussprichst, bevor er fertig durchdacht ist. Gemeinsam ist diesen Lagen, dass der Ausgang offen bleibt und du trotzdem entscheidest, ob dir die Sache genug bedeutet.
Die Wagnisse wechseln, dein Maßstab für sie kaum: Was als Kind ein verbotener Umweg war, kann später eine Kündigung ohne neue Stelle sein, und gewogen wird beides auf ähnliche Weise. Man könnte die Juxtaposition hier eine eigene Waage nennen, die du nicht bei anderen ausleihst. Selten fragt sie nach der Erfolgsaussicht. Eher prüft sie, ob du in der Sache etwas Bedeutsames erkennst, und genau diese Prüfung bildet den Kern.
Die vier Tore
Das Wagnis kommt aus 28 (Spieler) im . Vor einer Entscheidung schlägt dort kurz etwas an: Das könnte sich lohnen, oder: Lass es. Einen Plan liefert dieses Gespür nicht, und du kannst lernen, ihm zu folgen, auch wenn sich keine Gründe nennen lassen.
Worauf sich das Risiko richtet, bestimmen die übrigen Tore. Mit Tor 27 (Fürsorge) im wird es zur Frage, für wen du etwas aufs Spiel setzt und wie viel du gibst, bevor für dich selbst nichts mehr übrig ist. Tor 19 (Annäherung) im macht Nähe zum Einsatz: Auf jemanden zuzugehen, ohne die Antwort zu kennen, kann hier das größere Wagnis sein als jede Geldanlage. Tor 33 (Rückzug) im verlangt danach Abstand; in der Stille ordnet sich, was der Einsatz gebracht hat, und es lässt sich erzählen.
So wird aus dem Spiel kein Glücksspiel. Fürsorge und Nähe geben dem Risiko ein Gegenüber, und der Rückzug macht aus Gewinn und Verlust Erfahrung.
Im Alltag
Am Mietwagenschalter auf einer Insel entscheidest du dich mit Anfang zwanzig für die Bergstraße statt der Küstenroute, weil dir der Umweg sinnvoll erscheint. Für eine Reise mit Freunden planst du später so, dass niemand das Wagnis allein tragen muss. Auf einer anderen Fahrt bleibst du einen Tag lang allein in einem Gästezimmer am Hafen, schreibst auf, was die Woche gebracht hat, und erzählst es abends am Tisch.
In der Küche deiner ersten Untermiete fragst du dich mit Mitte zwanzig, ob du den Mietvertrag für die größere Wohnung wagst, und merkst, dass dir weniger die Miete Sorgen macht als die Frage, ob dort ein Leben entstehen kann, das dir entspricht. In der neuen Wohnung kochst du für die Nachbarschaft und lässt Menschen herein, die du kaum kennst. Danach hältst du ein Wochenende lang still, lässt das Geschirr stehen und sortierst im Kopf, was der Abend dir gezeigt hat.