Juxtapositions-Kreuz der Fantasie
Ein Bild von morgen taucht auf, bevor es dafür Worte, Geld oder Verbündete gibt: der Ort, an dem ihr einmal leben könntet, der Abend, den du dir ausmalst, die Anschaffung, über die noch niemand gesprochen hat. Vorstellungskraft ist bei diesem Kreuz eine Arbeitsweise, die du in jeder Lebensphase ähnlich betreibst, ganz gleich, wer gerade mitträumt. Du malst dir etwas aus, kommst Wochen später wieder darauf, sprichst es aus und legst es neben das, was dir frühere Erfahrung gezeigt hat. Gelungen ist ein solches Bild für dich, wenn andere ihm folgen können.
Lebensthema
Fantasie meint hier die Fähigkeit, Erfahrungen vorwegzunehmen, die es noch nicht gibt: Du siehst innerlich einen Raum, eine Gewohnheit oder ein Zusammenleben, bevor irgendetwas davon beschlossen ist. Diese Bilder kommen in einem eigenen Rhythmus und lassen sich von Moden kaum antreiben oder bremsen. Die Juxtaposition zeigt sich darin, dass deine Vorstellungskraft über Jahrzehnte an denselben Motiven weiterarbeitet, während deren Inhalte sich wandeln.
Den Anfangsdruck, etwas noch nie Erlebtes kennenlernen zu wollen, liefert 41, die Minderung. Die anderen drei Tore beantworten, was danach geschieht: wie ein Bild im Kopf so lange kreist, bis es Sinn ergibt, woran du witterst, ob es zu Bewährtem passt, und wie es schließlich in Worte kommt, denen andere folgen können. So handelt dieses Lebensthema weniger vom Träumen als von der Strecke, die ein Traum bis zum Teilen zurücklegt.
Die vier Tore
Am Anfang steht bei diesem Kreuz ein Bild, und Tor 41 (Minderung) im schneidet es auf ein Maß zu, mit dem sich morgen beginnen lässt. Aus dem Haus am See wird zunächst ein Wochenende zur Probe. Tor 24 (Rückkehr) im holt das Bild in den folgenden Wochen immer wieder hervor, jedes Mal etwas anders beleuchtet, bis sich zeigt, welcher Teil davon Bestand hat. Tor 31 (Führung) im macht aus der privaten Vorstellung eine Richtung, die andere hören können; ob jemand mitkommt, entscheidet sich erst, wenn du sie aussprichst. Tor 44 (Wachsamkeit) im hält das Bild gegen frühere Erfahrungen und merkt, wenn ein alter Fehler in neuem Gewand zurückkommt.
Tor 24, Tor 31 und Tor 44 geben der Fantasie Halt: Das Wiederholen prüft sie, das Aussprechen teilt sie, das Erinnern warnt. So kann eine Vorstellung weder endlos im Kopf kreisen noch ungeprüft in die Tat springen.
Im Alltag
Auf dem Dach eines Parkhauses, wo du mit achtzehn lange Abende mit deiner ersten Liebe verbringst, erzählst du, wie du später einmal leben willst, mit Details, die dich selbst überraschen. Bei der ersten Wohnungsbesichtigung zu zweit stehst du im Altbau-Treppenhaus und siehst schon, wie ihr dort frühstückt, bevor ihr überhaupt nach dem Mietvertrag gefragt habt. Nach vielen gemeinsamen Jahren holst du einen Wunsch hervor, den ihr längst verworfen hattet, und fragst, was ihm damals gefehlt hat und was sich seither verändert hat.
Vor dem Schaufenster eines Instrumentenladens bleibst du als Schulkind auf jedem Heimweg stehen und spielst im Kopf das Stück, das du auf der Gitarre im Fenster einmal üben willst. Im ersten Job legst du ein eigenes Konto für eine längere Auszeit an und gibst ihm einen Namen, weil das Bild dadurch greifbarer wird. Bei einem Gebrauchtwagen, der auf den ersten Blick alles verspricht, fällt dir später ein früherer Fehlkauf ein, und du kannst benennen, was dich diesmal stutzig macht, bevor du unterschreibst.