Linkswinkel-Kreuz der Ungewissheit

Wer weiß schon im Voraus, was aus einem Schritt auf andere zu wird? Dieses Kreuz lebt von genau dieser Offenheit: Du bringst etwas Eigenes ein, hast Ausdauer für eine Sache, spürst deine Stimmung steigen und fallen und suchst Nähe, ohne den Ausgang zu kennen. Die Antworten kommen selten vorab. Sie zeigen sich in der Begegnung, Stück für Stück. So verstanden ist Ungewissheit der Raum, in dem sich zeigt, was zwischen dir und anderen trägt.

Lebensthema

Im Kern geht es darum, dass vieles erst unterwegs klar wird: was dein Beitrag wert ist, wohin deine Ausdauer will, was dich erfüllt und wie viel Nähe sich richtig anfühlt. Antworten darauf findest du kaum im Voraus. Beim Linkswinkel sind es andere, die sie hervorlocken: Jemand nimmt dein Angebot an oder lässt es liegen, sucht deine Nähe oder hält Abstand, und erst daran erkennst du, was du selbst gemeint hast. Das kann unbequem sein, weil sich wenig vorab festlegen lässt. Es kann auch entlasten: Du musst nichts fertig mitbringen. Manche dieser Klärungen brauchen Jahre. Offen bleiben, ohne beliebig zu werden, und zeigen, was du hast, ohne zu wissen, wie es ankommt: Das sind die beiden Seiten dieses Themas.

Die vier Tore

8 (Beitrag) sitzt im und stellt die Frage, was von dir für andere sichtbar werden soll. Tor 14 (Können) aus dem , einem , entscheidet, ob du Zeit und Mittel in etwas steckst, dessen Ausgang offen ist. Tor 55 (Fülle) im bringt die Wellen deiner Stimmung mit und fragt, was auch an schwachen Tagen noch trägt. Tor 59 (Sexualität), ebenfalls im Sakralzentrum, sucht die Schwelle, an der aus Fremdheit Vertrauen werden kann.

Eine feste Reihenfolge gibt es zwischen den vieren nicht. Was du einbringst (Tor 8), braucht Atem, um zu bestehen (Tor 14). Ob es dich nährt, zeigt sich über die Zeit (Tor 55). Und mit wem du es teilst, entscheidet sich dort, wo du dich einlässt (Tor 59). Die Ungewissheit liegt darin, dass sich die Antwort erst unterwegs zeigt.

Im Alltag

Beim Abendessen mit deinen Eltern erzählst du mit sechzehn, dass du die Schule wechseln möchtest, ohne zu ahnen, wie sie reagieren. Auf dem Sofa deiner Schwester sagst du Jahre später, dass du dich zum ersten Mal fest an einen Menschen binden willst, obwohl du die Folgen nicht überblickst. Als du die weitere Verwandtschaft zu dir einlädst, ist noch am Vortag offen, wer kommt und wie der Abend wird. Erst der Schritt, dann die Antwort der anderen: Diese Reihenfolge kann dich durch viele Familienjahre begleiten.

In einem Seminarraum zu Beginn deines Studiums stellst du dein Thema vor und weißt nicht, ob es trägt. Mit Anfang dreißig meldest du dich zu einer Schreibwerkstatt an und liest deine ersten Texte in der Runde vor, bevor du selbst weißt, was du daran magst. Jahre darauf gibst du in einer Weiterbildung deine Erfahrung weiter und merkst an den Fragen der anderen, was davon wirklich dein Eigenes ist. Lernen kann hier heißen, dich im Zeigen zu finden.

Tor Eines von 64 Segmenten des Tierkreises, jeweils 5,625° breit, direkt einem Hexagramm des I Ging zugeordnet und mit einem Zentrum verbunden.
Kehlzentrum Das Zentrum für Kommunikation und Manifestation; die einzige Stelle, über die Energie in Sprache oder Handlung in die Welt gelangt.
Sakralzentrum Das mächtigste Energiezentrum im Human Design; liefert Generatoren und Manifestierenden Generatoren nachhaltige Lebenskraft durch Reagieren.
Motor Sammelbegriff für die vier energieerzeugenden Zentren: Herz-, Sakral-, Solarplexus- und Wurzelzentrum — sie liefern den Treibstoff für Handeln.
Solarplexus-Zentrum Motor und zugleich Bewusstseinszentrum der Emotionen, die nach der Lehre in Wellen verlaufen. Ist es definiert, ist es immer die Autorität: Klarheit kommt erst mit der Zeit.