Juxtapositions-Kreuz der Gewohnheiten
Ein Tag fühlt sich richtig an, wenn die kleinen Abläufe darin stimmen: dieselbe Tasse am Morgen, derselbe Weg, dieselbe Stunde für das Gespräch, das ansteht. Zugleich merkst du, wann eine Gewohnheit nur noch Hülle ist und etwas anderes dran wäre. Getragen wird dieses Spannungsfeld von deinem inneren Takt, von einer Gelassenheit, die sich nicht drängen lässt, von Lust auf Abwechslung und von Einsichten, die erst im Rückblick kommen. Gewohnheit ist hier ein Rhythmus, den du über Jahre prüfst, pflegst und gelegentlich neu setzt.
Lebensthema
Gewohnheiten sind die Dinge, die du ohne neue Entscheidung tust, weil sie sich bewährt haben: der feste Platz für den Schlüssel, die Reihenfolge beim Einkaufen, die Art, wie du eine Arbeit beginnst. Viele davon kannst du kaum erklären, und trotzdem gehören sie zu dir. Du spürst aber früh, wenn einer davon nur noch aus Pflichtgefühl besteht.
Deine Abläufe halten sich Jahr um Jahr, und was andere anders machen, bringt sie selten ins Wanken: eine sehr alltägliche Form der Juxtaposition. 5 trägt das Thema. Die drei übrigen Tore stellen Fragen dazu: wann du dich anderen zuwendest, wann Abwechslung nötig wird und wann ein Rückblick Sinn stiftet. Zusammen führen sie zu einer Frage, die dich immer wieder begleiten kann: Welche Gewohnheit trägt mich noch, und welche behalte ich nur, weil sie schon da ist?
Die vier Tore
Den Takt gibt Tor 5 (Feste Rhythmen) vor, im zu Hause; es verankert Abläufe, die dich tragen, ohne dass du jedes Mal neu entscheiden musst. Die Stimmung bringt Tor 22 (Anmut) im hinein: Eine Gewohnheit der Zuwendung, etwa der feste Anruf bei einem Menschen, stimmt erst, wenn Gefühl und Zeitpunkt zusammenfallen.
Die Gegenfrage stellt Tor 35 (Wandel) im : Wie oft kann etwas gleich bleiben, ohne an Reiz zu verlieren? Es hält Gewohnheiten beweglich. Tor 47 (Erkenntnis) im schaut zurück und ordnet: Welche Abläufe haben dir über die Jahre etwas gegeben, welche nicht?
Festhalten, Fühlen, Wechseln und Auswerten lösen einander ab. Mal führt der Takt, mal der Wunsch nach Veränderung, und im Rückblick entscheidet sich, was bleibt.
Im Alltag
Auf dem Vereinsplatz wäschst du mit Mitte zwanzig jeden Mittwoch die Trikots der Jugendmannschaft, und gerade diese Regelmäßigkeit kann dir Halt geben. Nach einigen Jahren fragst du dich, ob du die Aufgabe noch aus Lust übernimmst, und schlägst einen anderen Plan vor. Bevor du sie abgibst, schreibst du die Abläufe auf, damit sie ohne dich weiterlaufen können.
Auf der Wiese hinter dem Wohnblock deckst du mit Anfang zwanzig an jedem ersten Sonntag im Monat einen langen Tisch zum Frühstück, und die Nachbarn können sich mit der Zeit darauf einstellen. Eines Jahres fühlt sich das Zusammensein schal an, und du probierst eine andere Uhrzeit oder einen anderen Ort. Allmählich erkennst du, welche Handgriffe die Runde getragen haben und welche nur Gewohnheit waren.