Rechtswinkel-Kreuz der Sphinx
Wohin eigentlich? Diese Frage kehrt hier immer wieder, bei großen Entscheidungen ebenso wie an kleinen Abzweigungen des Alltags. Vier im geben ihr Stimmen: der Drang zum eigenen Ausdruck, ein ruhiges Gespür für den Kurs, der Blick nach vorn für eine Gruppe und das Zuhören, aus dem Erfahrung wird. Ein Rezept ergeben sie nicht, eher einen Kompass, der sich erst beim Gehen einpendelt. Die Sphinx steht dafür als Bild: Sie stellt Rätsel der Richtung, und die Antworten entstehen oft unterwegs.
Lebensthema
In der griechischen Sage sitzt die Sphinx am Weg und lässt nur weiter, wer ihr Rätsel löst. Bei diesem Kreuz sind die Rätsel Fragen der Richtung: Wohin führt dieser Abschnitt, und wer bist du, wenn du ihn gehst? Dass alle vier Tore im G-Zentrum liegen, dem Zentrum für Identität und Richtung, bündelt das Thema an einer Stelle. Ausdruck, Empfänglichkeit, Vorangehen und Zuhören drehen sich um dieselbe Achse.
Eine Antwort, die für immer gilt, gibt die Sphinx hier nicht. Ihre Frage kommt wieder, nach einem Schulabschluss, einer Trennung, einem Berufswechsel, jedes Mal etwas anders gestellt. Das Rechtswinkel-Kreuz legt die Lösung in deinen eigenen Gang: Du erkennst die Richtung, indem du sie ausprobierst, und andere Menschen geben Hinweise, ohne für dich zu antworten.
Die vier Tore
Jedes der vier Tore sitzt im G-Zentrum und stellt eine andere Frage an die Richtung. Tor 2 (Das Empfangende) weiß oft schon, wohin es geht, ehe sich das begründen lässt; die Richtung wird eher empfangen als gewählt. Tor 13 (Zuhörer) hört, was andere von ihren Wegen erzählen, und hebt es auf, bis sich Geschichten miteinander vergleichen lassen. Tor 1 (Kreativer Selbstausdruck) drängt darauf, den Weg in eigener Form zu gehen. Tor 7 (Rolle des Selbst) blickt auf die Gruppe: Wer unterwegs die Orientierung verliert, kann von einem Vorschlag profitieren, den man annehmen oder ablehnen darf.
Zwei Tore nehmen also auf, zwei geben weiter. Das stille Wissen von Tor 2 und die gesammelten Geschichten von Tor 13 bilden den Stoff; Tor 1 formt daraus etwas Unverwechselbares, und Tor 7 macht es für andere brauchbar. So entsteht die Frage der Sphinx: Wohin führt dieser Weg, und wem nützt er außer dir?
Im Alltag
Am Bahnsteig, den Rucksack auf dem Rücken, merkst du, dass es dich nach Norden zieht, obwohl die Karte in deiner Hand etwas anderes vorschlägt. Nach dem Schulabschluss kann das eine Interrail-Route sein, nach dem ersten Berufsjahr die Frage, in welcher Stadt du ein Jahr bleibst, später ein Ziel, das du mit Freunden aushandelst. Oft zeigen dir die Erzählungen anderer Reisender den nächsten Halt, bevor du ihn selbst benennen kannst.
Beim ersten Gang durch eine leere Wohnung weißt du oft schon, wo das Sofa stehen soll. Später wird aus einem Zimmer ein Arbeitsplatz, nach einer Trennung richtest du eine Wohnung ein, die endlich nach dir aussieht, und in einem Haus voller Nachbarn hörst du am Treppenabsatz, was die anderen brauchen.