Rechtswinkel-Kreuz der Gesetze
Welche Regeln tragen eine Gruppe wirklich, und welche laufen nur aus Gewohnheit weiter? Ordnung, Werte, Stimulation und Begrenzung teilen sich diese Frage. Es geht um den Rahmen, in dem Menschen zusammenleben und arbeiten: wie er entsteht, woran er geprüft wird und wie er sich erzählen lässt. In wechselnden Gruppen, Betrieben und Familien stößt du immer wieder auf Maßstäbe und fragst dich, was davon deiner ist. Ein Gesetz zählt hier, weil es sich im Zusammenleben bewährt.
Lebensthema
Gesetze sind hier die Abmachungen, nach denen ein Miteinander läuft, ob sie aufgeschrieben sind oder nicht. Wer bestimmt, was gilt, wer achtet darauf, und wem nützt es? Das Kreuz bringt diese Fragen in jeder Lebensphase neu auf, mit anderen Beteiligten und anderen Einsätzen.
Bei diesem Rechtswinkel prüfst du Regeln zuerst an dir: Du hältst dich an manche, brichst andere, fasst einige neu und merkst, welche dein Handeln tatsächlich leiten. Welche davon hast du nur übernommen, und welche würdest du selbst wieder aufstellen? Ordnung, Werte, Anregung und Begrenzung treffen dabei aufeinander, und manchmal entsteht aus dieser Reibung ein Sprung: eine Regel, die es vorher nicht gab.
Die vier Tore
Neue Regeln brauchen einen Anfang, einen Maßstab, eine Sprache und einen Rahmen. Den Anfang bringt 3 (Ordnung) im : den Drang, aus einem Durcheinander etwas Neues zu formen, auch wenn die ersten Versuche unbeholfen sind. Den Maßstab liefert Tor 50 (Werte) im . Es spürt, welche Werte ein Miteinander halten und welche bloß übernommen wurden. Tor 56 (Stimulation) im gibt dem Neuen eine Sprache, in Geschichten und Bildern, die andere aufgreifen und weitererzählen. Tor 60 (Begrenzung) im nimmt die Grenzen ernst, die sich nicht wegverhandeln lassen, und wartet, bis der Rahmen für eine Veränderung reif ist.
So kann aus einem holprigen Anfang eine Vereinbarung werden, die geprüft, erzählt und in die Wirklichkeit eingepasst ist.
Wer dieses Kreuz hat, hat immer auch den 3-60 (Mutation) zwischen Tor 3 und Tor 60 definiert. Der Kanal definiert das Sakralzentrum: Wer ihn hat, ist oder .
Im Alltag
Deine erste Stelle ist eine Spülküche mit zu wenig Platz und festen Abläufen, und dich stört weniger die Arbeit als die Frage, warum alles genau so gemacht wird. In einer Agentur schlägst du später einen anderen Ablauf für Korrekturschleifen vor und hörst dir an, was daran gar nicht geht. Wenn du ein Team leitest, entscheidest du, welche alten Gepflogenheiten bleiben, und eine neue Fassung kann oft erst entstehen, nachdem die alte gründlich geprüft ist.
Der Jugendfußballverein sucht jemanden für die Vereinsordnung, und du übernimmst, weil dir auffällt, dass sie keiner mehr liest. Im Mieterbeirat deines Viertels erzählst du ein paar Jahre darauf bei der Versammlung, wie ihr zu euren Absprachen gekommen seid. Irgendwann gibst du die Sätze an die Nächsten weiter, die sie anders formulieren, und du kannst zusehen, wie aus deiner Fassung eine Fassung der ganzen Gruppe wird.