Rechtswinkel-Kreuz der Durchdringung
Ein Satz fällt, ein Tonfall kippt, ein Entschluss steht plötzlich im Raum, und danach ist etwas anders als vorher. Durchdringung meint hier, dass ein Anstoß tief genug eindringt, um etwas in Gang zu setzen: erst der Schock, dann der Anfang, dann der Wunsch, daraus etwas Tragfähiges zu bauen, und mittendrin der leise Hinweis, was stimmig ist. Das wiederholt sich in immer neuen Anläufen, in denen etwas bis zum Kern vordringt, statt an der Oberfläche zu bleiben.
Lebensthema
Durchdringung heißt: bis dorthin vordringen, wo eine Sache wirklich sitzt. Vier liefern die Bewegung dazu. Ein Schreck reißt aus dem Gewohnten, ein Anfang nutzt den Schwung, Ehrgeiz will, dass daraus etwas Haltbares wird, und eine feine Wahrnehmung meldet im Augenblick, ob es stimmt. Dieser Ablauf kann sich wiederholen, und jede Runde reicht womöglich ein Stück tiefer als die letzte.
Das Rechtswinkel-Kreuz der Durchdringung führt diesen Vorgang zuerst durch dein eigenes Leben. Erschütterungen, die dich treffen, Anläufe, die du selbst wagst, und Ziele, die du dir setzt, sind das Material für diesen Weg in die Tiefe. Manchmal merkst du erst später, dass ein Schreck, der dir damals nur lästig war, eine Tür geöffnet hat, hinter der etwas Wesentliches lag.
Die vier Tore
Der Anstoß kommt aus Tor 51 (Schock) im : ein Ruck, nach dem das Gewohnte nicht mehr weiterläuft und Mut für einen ersten Schritt nötig wird. Tor 53 (Anfänge) im greift diesen Ruck auf und setzt etwas in Gang, das einen Verlauf haben will. Tor 54 (Ambition), ebenfalls im Wurzelzentrum, richtet den Verlauf nach oben aus, auf mehr Spielraum und festeren Stand. Tor 57 () im bildet den Gegenpol, eine leise Wahrnehmung im Moment, ob der nächste Schritt stimmt.
Vom Aufrütteln über den Beginn und den Aufstieg bis zum feinen Abgleich: So kann jede Runde etwas tiefer vordringen als die vorige.
Im Alltag
In der Werkstatt eines Nachbarn lötest du mit vierzehn dein erstes Radio, und ein lauter Knall beim ersten Einschalten erschreckt dich so, dass du dem Gerät erst recht auf den Grund gehst. Einige Jahre danach baust du Gitarren und nimmst dir vor, jede besser zu machen als die letzte. Beim Anschleifen eines Halses kann dich später ein leiser Impuls anhalten, bevor der Lack draufkommt, und im Nachhinein behält er recht.
Auf einer Kleinkunstbühne hörst du ein Lied, das dich so trifft, dass du am nächsten Tag selbst Texte schreibst. Ein paar Jahre später hängst du zum ersten Mal Fotografien in einem Café auf und planst schon die nächste, größere Serie. Beim Durchsehen einer Mappe kann dir irgendwann ein kurzes Gefühl sagen, welches Bild du weglässt, und gerade diese Lücke kann der Serie ihren Zug geben.