Linkswinkel-Kreuz der Auflehnung

Wer sich auflehnt, hat meist schon eine Ahnung davon, wie es stattdessen aussehen könnte. Bei dir trifft dieser Impuls auf eine eigene Handschrift, auf ein stilles Wissen um die Richtung und auf Gründe, die du schneller parat hast, als jemand nachfragt. Hinzu kommt der Wunsch, Vereinbarungen neu zu verhandeln, die nicht mehr zu den Menschen passen, die sich an sie halten. Auflehnung beginnt in diesem Kreuz mit einem Anstoß, der aus dir selbst kommt. Er braucht ein Gegenüber: Erst wenn jemand widerspricht, nachgibt oder mitzieht, wird deutlich, wofür du eintrittst.

Lebensthema

Auflehnung heißt hier, einer bestehenden Ordnung eine eigene Gestalt entgegenzusetzen. Dazu gehört die Bereitschaft, Widerspruch anzumelden, wenn etwas dauerhaft nicht mehr stimmt. Woraus sich dieser Widerspruch speist, zeigen die vier : aus einem eigenen Stil, einem Gespür für Richtung, dem Bedürfnis nach einer Erklärung und dem Anspruch auf Grundsätze, die für alle fair sind.

Allein lehnt sich niemand auf, und mit dem Linkswinkel wird das zum Kern des Themas: Was du eigentlich willst, entdeckst du im Gegenüber, im Streit, im gemeinsamen Ausprobieren. Andere Menschen sind dabei kein Publikum. Sie bauen deinen Vorschlag um, halten dagegen oder lehnen ihn ab, und genau daran wird sichtbar, was davon trägt. Offen bleibt dabei, welche Regeln du verteidigen und welche du ändern willst.

Die vier Tore

Tor 1 (Kreativer Selbstausdruck) und Tor 2 (Das Empfangende) teilen sich das . Das eine sucht einen eigenen Ton, das andere ein Gespür für die Richtung, und zusammen ergibt das eine Haltung: Du weißt vielleicht nicht, wohin genau, aber du willst den Weg auf deine Art gehen.

Tor 4 (Antworten) im liefert dem Widerspruch Gründe. Es bietet eine Erklärung an, die andere nachvollziehen können: warum etwas anders sein sollte. Ob sie stichhaltig ist, zeigt sich erst, wenn jemand dagegenhält.

Tor 49 (Revolution) im bringt den Anspruch auf Fairness ein. Es spürt, wann eine Absprache einseitig geworden ist, und drängt darauf, sie neu zu schließen oder aufzukündigen.

Stil und Richtung geben der Auflehnung ein Gesicht, die Antworten geben ihr Worte, die Revolution gibt ihr einen Anlass. Eine Spannung bleibt dabei bestehen: Stil und Richtung brauchen Zeit, während der Wunsch nach Veränderung oft sofort da ist.

Im Alltag

In der Clique, mit der du mit siebzehn jeden Freitag auf dem Supermarktparkplatz stehst, fällt dir auf, dass immer dieselben entscheiden, was als Nächstes passiert, und du schlägst vor, dass reihum jemand das Programm bestimmt. Als sich die Gruppe später über mehrere Städte verteilt hat, sprichst du an, dass immer dieselben Leute anreisen. Das kann Streit auslösen, und du merkst, dass nicht jede Freundschaft den Umbau aushält. Mit den Jahren fragst du dich, welche Gewohnheiten der Runde noch zu euch passen.

Vor deiner Interrail-Reise mit neunzehn liest du die Planung der anderen und findest sie zu eng getaktet, also baust du zwei freie Tage ein. Beim Städtetrip mit Freunden sollen Jahre später die Kosten nach festem Schlüssel geteilt werden, und du sagst, dass dir das nicht gerecht vorkommt. Kurz vor einer Abreise ohne Begleitung überlegst du, ob du die vorgeschlagene Route wirklich willst, und wählst eine andere.

Tor Eines von 64 Segmenten des Tierkreises, jeweils 5,625° breit, direkt einem Hexagramm des I Ging zugeordnet und mit einem Zentrum verbunden.
G-Zentrum Das zentrale Zentrum für Identität, Liebe und Richtung; beherbergt das Gefühl des wahren Selbst und die geometrische Lebensroute.
Ajna-Zentrum Das Zentrum mentaler Verarbeitung und Konzeptualisierung, in dem Inspiration aus dem Kopf zu Gedanken und Meinungen geformt wird.
Solarplexus-Zentrum Motor und zugleich Bewusstseinszentrum der Emotionen, die nach der Lehre in Wellen verlaufen. Ist es definiert, ist es immer die Autorität: Klarheit kommt erst mit der Zeit.