Juxtapositions-Kreuz des Rückzugs
Erst kommt das Erlebnis, dann die Stille, und erst danach die Geschichte: In dieser Reihenfolge arbeitet dieses Kreuz. Du tankst Eindrücke, ziehst dich zurück und kommst mit etwas wieder, das nach dir klingt und anderen etwas bedeuten kann. Der Abstand ist dabei das Werkzeug, mit dem aus Erfahrung etwas Mitteilbares wird. Diesen Takt behältst du bei, ob dich gerade eine Reise, eine Trennung oder ein neuer Beruf beschäftigt.
Lebensthema
Rückzug ist hier eine Arbeitsweise, eine Art Verdichtung: Du gehst aus einer Situation heraus, damit sich ordnen kann, was darin steckte, und kehrst mit einer Fassung zurück, die du vorher nicht hattest. Wann du gehst und wie lange du fortbleibst, bestimmt bei diesem Juxtapositions-Kreuz ein innerer Takt, und manchmal bist du schon draußen, bevor jemand dich vermisst.
Drei weitere Kräfte wirken mit. Die erste will etwas Eigenes hervorbringen, die zweite spürt eine Richtung, die dritte achtet darauf, was Menschen voneinander brauchen. Aus dem, was du im Abstand sortierst, entsteht so mit der Zeit eine Haltung, die du anderen anbieten kannst, ohne sie ihnen aufzudrängen.
Die vier Tore
Getragen wird dieses Kreuz von 33 (Rückzug) im : Erlebtes wird erst zu Sprache, wenn du dich eine Weile herausgenommen hast. Was du danach erzählst, trägt durch Tor 1 (Kreativer Selbstausdruck) im deine Handschrift statt einer glatten Zusammenfassung. Tor 2 (Das Empfangende), ebenfalls im G-Zentrum, nutzt die Stille auf andere Weise: Während du dich sammelst, wird spürbar, in welche Richtung der nächste Abschnitt zieht. Tor 19 (Annäherung) im sorgt dafür, dass der Rückzug kein Abschied wird. Es hält den Faden zu den Menschen, die auf dich warten, und erinnert daran, dass jemand hören möchte, was du mitbringst.
Der Rückzug hat damit einen Hinweg und einen Rückweg: unter Menschen sein, sich herausnehmen, mit eigener Stimme und offenem Blick wiederkommen. Jedes der vier Tore kann den nächsten Schritt anstoßen.
Im Alltag
Im Hostel in Porto bleibst du mit sechzehn auf der Klassenfahrt allein auf dem Dach sitzen, während die anderen losziehen, und schreibst auf, was du gesehen hast. Nach einer Dienstreise sitzt du im Zug nach Hause und lässt das Handy zwei Stunden ruhen, bis dir klar ist, was du davon erzählen willst. Aus einem Familienurlaub nimmst du dir viel später einen Vormittag am Hafen heraus, allein mit einem Kaffee, und kommst mit einem Satz zurück, der die ganze Reise zusammenfasst.
In der Waschküche eures Mietshauses sitzt du mit zwölf auf der Maschine und liest, bis das Schleudern endet; dieser Winkel wird dein Ort. In der ersten Wohnung zu zweit nimmst du das kleinste Zimmer als Rückzugsraum und begreifst erst dort, was dir an der Wohnung wichtig ist. Mit Anfang vierzig stellst du am Sonntagabend den Sessel ans Fenster, ordnest die vergangene Woche und kannst danach am Esstisch erzählen, was sie dir bedeutet hat.