Juxtapositions-Kreuz der Assimilation
Etwas zu erkennen und es dann so zu sagen, dass andere es aufnehmen können, ist ein eigener Arbeitsgang, und er braucht Zeit. Vier Anlagen greifen dabei ineinander: ein Zug zu Erlebnissen, die Zusage, dabeizubleiben, eine Einsicht, die unvermittelt kommt, und das Ringen um Worte, die jeder versteht. Assimilation meint das Verarbeiten von Erfahrung, bis sie zu dir gehört und sich weitergeben lässt. Das geschieht in kleinen Schritten und in deinem eigenen Tempo, ganz gleich, wie eilig es die Umgebung hat.
Lebensthema
Assimilation bedeutet hier das Aufnehmen und Verarbeiten: Du erlebst etwas, erkennst etwas, und beides wird in deinem eigenen Ausdruck zu etwas, das du anderen reichen kannst. Der Name beschreibt also, wie Erfahrung zu deiner Sprache wird. 23 trägt dieses Thema. Was es zu verarbeiten gibt, liefern die übrigen drei: die Sehnsucht nach Erleben, die Ausdauer, bei einer Sache zu bleiben, und Einsichten, die plötzlich da sind.
Im Mittelpunkt dieser Juxtaposition steht das Verdauen selbst: Zwischen Erleben und Sagen liegt bei dir eine Strecke, die sich nicht abkürzen lässt. Dieses Muster kann über Jahrzehnte ähnlich bleiben, bei jeder neuen Arbeit, jeder fremden Sprache, jeder großen Wende. Es ist eine Art, Dinge zu durchdringen, bis sie sich sagen lassen.
Die vier Tore
Das Thema liegt bei Tor 23 (Assimilation) im : Eigenes so in Sätze zu bringen, dass andere ihm folgen und es übernehmen können. Drei Tore arbeiten ihm zu. Tor 30 (Sehnsucht) im zieht dich zu Erlebnissen, noch ehe du weißt, warum. Tor 29 (Ausdauer) im gibt die Zusage, die dich durch ein Erlebnis bis zum Ende trägt. Tor 43 (Einsicht) im lässt daraus einen Gedanken auftauchen, dessen Herkunft du nicht erklären kannst.
Glatt verläuft das selten. Oft liegt eine Erfahrung Jahre vor dem passenden Satz, und eine Einsicht wartet, bis die Worte reif sind. Assimilation heißt hier auch, Fremdes so lange zu verdauen, bis es in eigener Sprache wiederkommt.
23-43 (Strukturieren) verbindet Einsicht und Ausdruck und ist bei diesem Kreuz stets definiert. Für den Typ hat der Kanal allein keine feste Folge; er wirkt mit den übrigen Kanälen deines Charts zusammen.
Im Alltag
In einer Buchbinderei, in der du mit siebzehn ein Praktikum machst, heftest du deinen ersten Block, und das Handwerk lässt dich nicht mehr los. Später richtest du dir zu Hause eine eigene Ecke dafür ein und bleibst dabei, auch als der erste Winter fast nur aus schiefen Buchrücken besteht. Irgendwann kann es passieren, dass du für Neulinge eine Anleitung schreibst, die auf eine Seite passt, weil du über Jahre aufgenommen hast, worauf es wirklich ankommt.
Vor dem Brunnen in der Fußgängerzone spielst du mit sechzehn Ukulele und kommst zwei Jahre lang jeden Samstag wieder. Für ein Hofkonzert schreibst du später die Ansage und streichst sie so lange zusammen, bis jeder Satz sitzt. Ein Jahrzehnt danach kann dir beim Üben ein Gedanke zu einem Stück plötzlich klar sein, und du brauchst Wochen, ihn so zu sagen, dass die anderen im Ensemble ihn aufgreifen.