Kanal 35-36 – Vergänglichkeit
Nichts bleibt, wie es war, und in 35-36 (Vergänglichkeit) gehört das zur Grundausstattung: Du suchst Erfahrung und lässt sie wieder los, sobald sie ihren Platz gehabt hat. Ein emotionaler hängt hier direkt am , weil der Kanal es mit dem verbindet. Was dich bewegt hat, will erzählt oder in eine Tat übersetzt werden, und schon während du erzählst, schaut ein Teil von dir nach dem nächsten Unbekannten. Der Name des Kanals beschreibt sein Material: Erfahrungen beginnen, enden und hinterlassen dazwischen eine Wirkung auf dich.
Thema
Erfahrungen haben bei diesem Kanal ein Verfallsdatum, und das ist keine Panne. Dein Chart enthält einen festen Weg vom Solarplexus-Zentrum zum Kehlzentrum: Der emotionale Motor treibt an und bekommt dort Stimme oder Hand. Ein Motor ist direkt mit dem Kehlzentrum verbunden: Wer den Kanal hat, ist , oder , wenn zusätzlich das definiert ist. Die Lust auf Neues folgt der Welle des Solarplexus-Zentrums: Auf Hochstimmung kann Ernüchterung kommen, und beides gehört zur Erfahrung. Der Kanal gehört zum kollektiven Schaltkreis, also zu dem Bereich, in dem Erfahrung geteilt und weitergegeben wird.
Die beiden Tore
35 (Wandel) im Kehlzentrum bringt den Zug zum Ausprobieren mit. Tor 36 (Krise) im Solarplexus-Zentrum bringt das Gewicht: die Lage, in der das Alte nicht mehr genügt und etwas Neues Gestalt annehmen muss.
Tor 35 hat Lust auf Neues, aber keinen Grund, der sie festhält. Tor 36 hat den Druck, aber keinen Weg nach draußen. Erst der Kanal gibt dieser Lust einen Anlass mit Tiefe und dem Druck einen Ausgang. Aus dem „Mal sehen, was da ist“ wird ein „Das will ich erleben, und ich sage es“.
Ein Gefälle bleibt im Tempo. Das Kehlzentrum kann sofort handeln oder sprechen, während die Gefühlswelle des Solarplexus-Zentrums Zeit braucht, bis sie sich gelegt hat. Was Tor 35 schon ausspricht, hat Tor 36 manchmal noch gar nicht zu Ende gespürt, und eine Erfahrung ist erzählt, bevor sie verdaut ist.
Im Alltag
Im Gemeindehaus liegt die Tagesordnung des Nachbarschaftsvereins, Punkt vier: Sommerflohmarkt, wie jedes Jahr. Beim Wort „jedes Jahr“ merkst du, wie die Lust verschwindet, und schlägst vor, den Markt diesmal abends zu veranstalten, mit Lichterketten und Musik. Zwei Leute schauen skeptisch, einer holt schon den Stift. Dass die Idee unfertig ist, stört dich weniger als der Gedanke, denselben Termin noch einmal unverändert zu bestätigen.
Eine Stunde vor dem Abendessen mit den neuen Nachbarn schiebst du den geplanten Auflauf beiseite und beschließt, dass alle am Tisch selbst Teigtaschen falten. Das Rezept hast du nie ausprobiert. Du verkündest es an der Tür, während die Mäntel noch ausgezogen werden, und der Abend nimmt eine Wendung, die niemand eingeplant hat, du selbst am wenigsten.
Das Vogelhaus aus Lärchenholz steht fertig in deiner Werkstatt, verleimt und geschliffen. Mit dem letzten Handgriff ist auch die Aufregung der vergangenen Wochen weg, und statt Stolz spürst du eine kleine Leere, die schon nach dem nächsten Material greift. Du schickst deinem Bruder drei Sätze und ein Foto und räumst schon Platz für eine Laterne aus Messingblech.
Typische Fallen
Ein Projekt gilt dir als erledigt, sobald das Gefühl dafür verblasst, auch wenn es erst halb fertig ist. Dann liegt das Gartenhaus mit offenem Dach da, und die Leute, die dir dabei geholfen haben, fragen sich, ob sie mit dir noch rechnen können.
Nach einer enttäuschenden Reise erklärst du schon beim Auspacken, dass du nie wieder ohne festen Plan losfährst, so bestimmt, dass es wie ein Gelübde klingt. Das Kehlzentrum hat ausgesprochen, was die Welle des Solarplexus-Zentrums gerade färbte, und wenige Wochen später packt dich die nächste Lust aufs Unbekannte. Ein Satz aus dem Tief muss dich nicht binden.
Zum Nachdenken
- Was bleibt bei dir von einer Erfahrung zurück, wenn sie vorbei ist, und was lässt du bewusst zurück?
- Welche Erfahrung würdest du noch einmal machen, obwohl du schon weißt, wie sie ausgeht?
- Wem sagst du, was du als Nächstes ausprobieren willst, bevor du es tust?