Kanal 29-46 – Entdeckung
Wer du bist, erfährst du mit diesem beim Durchleben, weniger beim Grübeln. Kanal 29-46 (Entdeckung) verbindet die Bereitschaft, bei einer Erfahrung zu bleiben, mit dem Sinn dafür, ob du am richtigen Ort bist. Gerade wenn du eine Sache bis zum Ende mitgehst, die du dir nicht ausgesucht hättest, zeigt sich, was in dir steckt. Die Erfahrung ist dann kein Umweg zur Selbsterkenntnis, sie ist ihr Material.
Thema
Manches zeigt sich nur über Zeit, und davon handelt dieser Kanal: Du bleibst bei einer Sache, und im Bleiben wird sichtbar, ob sie zu dir gehört. Die Antwort kommt selten als Gedanke vor dem Anfang. Sie baut sich auf, Tag für Tag, aus dem, was du tust, wo du bist und wie es sich anfühlt, dort zu sein.
Der Kanal definiert das : Wer ihn hat, ist oder . Er verbindet es mit dem und gehört zum kollektiven Schaltkreis. Entdeckt wird dabei oft etwas anderes als das, wofür du angetreten bist.
Die beiden Tore
29 (Ausdauer) im Sakralzentrum bringt die Fähigkeit mit, sich auf etwas einzulassen und es auszuhalten, auch wenn der Reiz des Anfangs längst verflogen ist. Allein neigt es dazu, sich festzulegen, bevor klar ist, worauf. Tor 46 (Bestimmung des Selbst) im G-Zentrum bringt das Gespür für Richtung und Körper mit: Es merkt an einem Ort oder einer Tätigkeit, ob sie stimmt.
Als verschafft das Sakralzentrum dem G-Zentrum die Zeit, die es braucht, um zu spüren, wo du hingehörst. Das G-Zentrum bewahrt das Sakralzentrum davor, beliebig durchzuhalten. Reibung bringt die Frist: Tor 46 möchte nach zwei Tagen spüren, ob ein Weg passt, während Tor 29 sich schon für ein halbes Jahr verpflichtet hat. Oft zeigt sich erst mitten in so einer Zusage, warum sie richtig war, oder dass es Zeit ist, sie sauber zu beenden.
Im Alltag
Für deine Reise durch Georgien waren in Kutaissi zwei Nächte geplant, jetzt sind es neun Tage. Du hast angefangen, in der Pension beim Traubenlesen zuzusehen, dann mitzuhelfen, und morgens weißt du, auf welchem Weg zum Markt dir wohl ist. Am neunten Tag packst du doch ein und kannst sagen, was dich hier gehalten hat.
Im dritten Monat im Kundensupport eines Softwarehauses fragt dich die Teamleiterin, was du eigentlich machen willst. Du weißt es nicht, aber du hast bemerkt, dass du bei den verwickelten Tickets bleibst, bis sie gelöst sind, und die einfachen gern abgibst. Aus dieser Gewohnheit liest du mehr über deinen Platz im Team ab, als jede Stellenbeschreibung verraten hätte.
In der Siebdruckwerkstatt ziehst du dasselbe Motiv zum vierzigsten Mal durch das Sieb. Der erste Abzug war fremd, beim zwanzigsten hast du die Farbe gewechselt, jetzt änderst du den Rand. Irgendwo zwischen den Drucken ist das Motiv zu deinem geworden, und du kannst nicht sagen, an welchem Tag.
Typische Fallen
Das Dabeibleiben läuft weiter, auch wenn das Gespür längst Nein sagt. Du verlängerst das Jahresabo im Studio, buchst den dritten Kurs im selben Haus und begreifst erst beim Unterschreiben, dass du seit Monaten nur noch aus Gewohnheit hingehst.
Oder du erwartest von jeder neuen Erfahrung eine Antwort auf die Frage, wer du bist, und verlässt sie, sobald nach drei Tagen keine kommt. Dann reiht sich Anfang an Anfang, während das Eigene die Zeit braucht, die dieser Kanal selbst mitbringt. Vor einer Verlängerung lohnt die Frage, ob du noch dabei bist oder nur noch dabeibleibst.
Zum Nachdenken
- Wo hast du lange durchgehalten und erst später gemerkt, dass dich die Sache verändert hat?
- Was hast du nach wenigen Tagen verlassen, obwohl es mehr Zeit gebraucht hätte?
- Welches Ja hat dich an einen Ort oder zu Menschen gebracht, die du sonst nie gefunden hättest?